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Prof. Dr. Matthias Henke
Prof. Dr. Matthias Henke
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Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund
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1918 - nur ahnen können wir die Dimensionen

Nein, was für ein Jahr, menschheitsgeschichtlich, kulturgeschichtlich, musikgeschichtlich, nur ahnen können wir seine Dimensionen. 1918!
Im Juli erschießen Bolschewiki die Zarenfamilie, die Eltern samt ihren fünf Kindern, so geschehen in Jekaterinburg. Im November beendet ein Waffenstillstand den Ersten Weltkrieg, jenen Wahnsinn, dem circa 17 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind. Die kriegstreibenden Monarchien gehen unter, die Dynastien der Habsburger und der Preußen. In Österreich und Deutschland ruft man die Republik aus. Nicht zuletzt um dem Zerfall seines Heimatlandes etwas entgegenzusetzen, gründet Schönberg in Wien seinen Verein für musikalische Privataufführungen. Und in Berlin bildet sich die links stehende Novembergruppe: ein etwa 170 Mitglieder zählender Kreis aus bildenden Künstlern wie Wassily Kandinsky oder Lyonel Feininger und Literaten wie Joachim Ringelnatz oder Wieland Herzfelde. Besonders stark aber nahm sich innerhalb der Novembergruppe die Schar der Komponisten aus, der Kurt Weill, Hanns Eisler, Max Butting, Stefan Wolpe oder Hermann Scherchen angehörten. Speziell der Novembergruppe ist übrigens eine umfangreiche Tagung gewidmet, die im Kontext des Kurt Weill Fest 2018 stattfindet (Dessau, 2. bis 4. März).

Die ENTDECKUNGEN XIX, die sich wie immer ja nicht an die Fachwissenschaft, sondern an ein allgemein interessiertes Publikum richten, sind weiter gefasst. Einen gewissen Schwerpunkt nimmt die eben aus Rußland hervorgegangene Sowjetunion ein. Wie reagierte das Musikleben auf die gewaltige Oktoberrevolution? Zehrte es von ihr oder zehrte sie an ihm? Solchen Fragen sind gleich drei Vorträge gewidmet. Sie spüren der Frage nach, wie sich der Musikbetrieb in Petersburg und Moskau im Jahr 1 nach der Revolution wandelte, nehmen die Spuren Sergej Prokofjew und Igor Strawinskys auf, die sich 1918 beide im Exil befanden, oder untersuchen das wechselhaft Schicksal der Musikstadt Kiew. Weitere Beiträge umlagern dieses Themenfeld, sie widmen hier in höherer, dort in geringerer Konzentration verschiedenen Aspekten des Revolutionären: sei es dem in die musikalische Moderne aufbrechenden Wien, in dem Arnold Schönberg den Dunstkreis der Tonalität durchbrach; sei es mit Blick auf den Dadaismus, der wohl radikalsten Kunstrichtung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, bei deren Entstehung der Erste Weltkrieg zweifelsohne als Geburtshelfer fungierte; oder sei es mit auf einzelne Persönlichkeiten: auf das tragische Leben der "vergessenen Revolutionärin" Sarah Sonja Kirsch oder auf das Wirken Paul Bekkers, der mit seinen ungemein erfolgreichen Musikbüchern (vor allem über Beethoven(, den Geniekult des 19. Jahrhunderts entzauberte.

Es ist dem Kurator der ENTDECKUNGEN Freude wie Ehre, für das krönende Abschlusskonzert die wunderbare Bratschistin Tatjana Masurenko gewonnen zu haben. Sie, international renommierte Vertreterin ihres Fachs, Professorin an der Musikhochschule Leipzig, bietet dem Publikum – gemeinsam mit ihrem brillanten Duopartner Gilad Katznelson – ein perfekt auf die Vorträge abgestimmtes Programm.


Prof. Dr. Matthias Henke
Kurator der ENTDECKUNGEN







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